DIE SUCHE – CZ – 1993
Während der Klassenfahrt lernte ich Pavel kennen, der als Koch in der Chata arbeitete, sowie seinen besten Freund Milos. Sonja verliebte sich in Milos, ich in Pavel. Für mein jugendliches Herz waren diese Begegnungen etwas ganz Besonderes. Immer wenn Pavel aus der Küche kam, blieb mein Blick an ihm hängen. Der Höhepunkt dieser Gefühle war unser gemeinsamer Tanz zu „Wind of Change“ von den Scorpions. Nach diesem Tanz hätte ich am liebsten einfach in Moldava bleiben wollen. Natürlich wusste ich, dass dies nur ein Wunsch bleiben würde. Die letzten beiden Tage standen für mich ganz im Zeichen dieses Liedes. Jeder gemeinsame Moment bekam plötzlich eine besondere Bedeutung, weil ich wusste, dass der Abschied näher rückte. Nach unserer Rückkehr versuchte ich den Kontakt zu Pavel aufrechtzuerhalten. Ich telefonierte einmal zu seinem Geburtstag mit ihm und schrieb ihm einen Brief, auf den ich jedoch nie eine Antwort erhielt. Seitdem habe ich seine Stimme nie wieder gehört. Dennoch blieb die Erinnerung an diese Begegnung über die Jahrzehnte lebendig. Rückblickend verbinde ich diese Klassenfahrt auch mit mehreren inneren Eindrücken, die ich damals als persönliche Bestätigungen empfand. Ich konnte sie zunächst nicht verstehen. Erst viele Jahre später erkannte ich für mich Zusammenhänge zu meinem eigenen Lebensweg – unter anderem zum Abschied von meinem Onkel, zum späteren Verlassen Berlins und zu weiteren Stationen meines Lebens. Als ich am ersten Dezemberwochenende meinem schwer kranken Onkel von der Klassenfahrt erzählen wollte, konnte er meine Erlebnisse kaum noch aufnehmen. Etwa sechs Wochen später starb er. Dadurch bekam diese wunderschöne Woche einen stillen und traurigen Nachklang. Auch DINA soll eine Woche später leider verstorben sein.
Heute, mehr als dreißig Jahre später, gehört Moldava für mich zu den wichtigsten Erinnerungsorten meines Lebens. Die Reise war nicht nur eine Klassenfahrt, sondern der Beginn eines neuen Lebenskapitels. Sie verband Natur, Freundschaft, erste Liebe, Gemeinschaft und Abschied auf eine Weise, die mich bis heute begleitet.
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